Gesellschaft

Mundart – etwas breitgefächert

Am diesjährigen Schweizer Mundarttag im Rahmen des Seetaler Poesiesommers auf Schloss Heidegg stand Heimatkunde vor der Sprachenvielfalt der Schweizer Dialekte.


home mundart grassDie vier Landessprachen sind für die Schweizer*innen schon eine Herausforderung, dazu kommen aber noch die Dialekte aus den einzelnen Regionen der Schweiz. Mit dem Schweizer Mundarttag hat der Initiator Ueli Suter auf Schloss Heidegg eine Plattform geschaffen, wo seit vielen Jahren immer eine Lanze für den Dialekt gebrochen und ein Einblick in den Ursprung und Bedeutung der regionalen Dialekte gegeben wird.

Zwischen Nord und Süd
Auf eine eher etwas ältere Mundartliteratur wies die Schriftstellerin Barbara Traber hin, indem sie an die Autorin Maria Lauber (1891 bis 1973) aus dem Fruttigtal erinnerte. Erfreulicherweise lege die Kulturstiftung Fruttigtal die interessanten Texte von Maria Lauber wieder neu auf, so Barbara Traber. Sie selber schreibt Gedichte und Geschichten in der Berndeutschen Sprache und inzwischen sind ein Teil der Gedichte von Corinne Verdan-Moser hervorragend ins Französisch übersetzt worden. Beim Hören eines Gedichtes auf Berndeutsch und anschliessend auf Französisch, war man fast geneigt, es zukünftig beim Französischen zu lassen, hörte es sich doch so melodisch an. Leider unterliess es Barbara Traber einzelne Ausdrücke in ihrer Bedeutung zu erklären, so dass einem die Berner Sprachenlandschaft fremd blieb.

Auf eine sehr lebendige Art tauchte man mit der Autorin Franca Da Rin in den sprachlichen Alltag ennet dem Gotthard ein. Gemeinsam mit «ihrem» Professor, dem Sprachwissenschaftler Guido Pedrojetta, deckte sie die Unterschiede der Dialekte im Tessin auf. Sie selber pflegt und spricht den Airoler Dialekt, denn Airolo ist seit Geburt ihre Heimat. Guido Pedrojetta erklärte die Ursprünge des Airoler Dialektes und die Zusammenhänge im Tessin untermalt mit Gesangsbeispielen, während Franca Da Rin ein Gedicht im Airoler Dialekt und dessen deutsche Übersetzung nachschob. So fühlte man sich für einen Moment in die Kultur des Tessins versetzt, vor allem natürlich nach Airolo.

Der Bau des Gotthard-Tunnels sei eine technische Höchstleistung, aber auch ein Ausdruck der kulturellen Verbindung zwischen Nord und Süd, meinte der Journalist und Autor Alexander Grass. Er hält dies nach vielen Recherchen in seinem Buch «Durchlag am Gotthard» fest. Es war spannend seinen Ausführungen über diesen Bau zuzuhören. Und interessant wäre es geworden, wenn man hätte erfahren können in welcher Sprache, respektive Dialekt die vielen Arbeiter und Vorgesetzte miteinander gesprochen haben.

Nach dem Gotthard wandte man sich der Innerschweiz zu, der Gemeinde Gersau. Der Schriftsteller Hermann Hesse schrieb 1904 den Roman «Peter Camenzind» und der historiographische Schriftsteller Pirmin Meier brachte den Namen in Verbindung mit der Gemeinde Gersau, wo Camenzind ein alteingesessener Name ist. In seinem wortgewaltigen Referat wies er darauf hin, dass jeder Name eine Bedeutung habe und wenn man in der Geschichte nachsehe, viele der Namen Geschichte geschrieben haben. Pirmin Meier betonte, dass man ohne Namenskunde die Schweizer Geschichte nicht schreiben könne, denn man könne nur über die Namen in die Tiefe der Geschichte gehen. Mit seinen Ausführungen schlug er die Brücke zu Adrian Nigg, Alt-Bezirksammann und Historiker, der es verstand die Geschichte und die Idylle der Gemeinde Gersau hervorzuheben.

Richard Wurz
27. Juli 2021
Bilder: Richard Wurz

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