Gesellschaft

«Wie de Schnabel gwachse isch»

Am Mundarttag auf Schloss Heidegg anlässlich des Poesiesommers wurde einmal mehr einen Nachmittag lang eine Lanze für den Dialekt gebrochen.

home tab mundarttag duoAnlässlich des Seetaler Poesiesommers hatte Organisator Ueli Suter einmal mehr zum Mundarttag auf das Schloss Heidegg eingeladen. Bereits zum 16. Mal ging dieser Nachmittag, der mit Lesungen und Darbietungen ganz den unterschiedlichsten Schweizer Dialekten gewidmet war, über die Bühne.
Ein reichhaltiges Programm erwartete auch dieses mal die BesucherInnen, die den Weg in den Festsaal des Schlosses gefunden hatten. Einmal mehr musste aber auch in diesem Jahr festgestellt werden, dass, obwohl es eine ganze Reihe von jungen AutorInnen gibt, die sich der Mundart verschrieben haben, das Publikum dann doch eher der älteren Generation angehört.

Alte Texte in neuem Kleid
Dies ist wohl kaum einfach einem Desinteresse am eigenen Dialekt zuzuschreiben, denn dafür waren Christoph Trummer und Nadja Stoller der beste Beweis. Die beiden jungen MusikerInnen hatten sich in einem Projekt intensiv mit den Texten der Fruttigtalerin Maria Lauber (1891 bis 1973) auseinandergesetzt und musikalisch umgesetzt. Einen Einblick in dieses intensive Schaffen boten sie den Gästen auf der Heidegg und wussten dabei mehr als nur zu überzeugen.
Sie verzauberten nicht nur mit den anmutigen Worten der Dichterin, sondern vor allem auch durch die feinfühligen musikalischen Umsetzungen, die überaus ansprechend waren und zu begeistern wussten. Maria Lauber gehört zu den VetreterInnen der älteren Mundartliteratur, die durch aus mit vaterländischem Stolz dichten konnte. Doch hier wurde einem deutlich vor Augen geführt, dass ihre Texte in diesem neuen musikalischen Kleid wieder aktuell und griffig werden und nicht einfach nur eine Idylle längst vergangener Zeit beschreiben, sondern das Seelenleben der Dichterin eindrücklich offen legen.

«D Seisler hiis böös»
Den absoluten Kontrast zu Maria Lauber, bildete an diesem Tag wohl der Seisler Christian Schmutz, dessen Stimme aus dem SRG-Sendung Schnabelweid wohl bekannt ist. Mit seinem unnachahmlichen Sprachwitz hat er ein mit dem Buch «D Seisler hiis böös» ein Werk geschaffen, das dem eigenwilligen Freiburger-Dialekt mehr als gerecht wird, und gleichzeitig aber auch LeserInnen aus anderen Dialektregionen zu begeistern weiss.
Christian Schmutz bildete an diesem Mundartnachmittag den Abschluss der Lesungen und er liess mit seiner Geschichte über den Seisler Toni Schöpfer, der sich völlig unerwartet in einer «Seisler Hotline» wiederfindet und zukünftig Tipps zur Erhaltung seines Dialekts gibt und knifflige Fragen beantwortet, ein modernes Dialektbild frei von Idylle und Vaterlandschmerz auferstehen lässt. Diese Welt, diese Sprache ist real und aktuell, wird tagtäglich so erlebt und diese Sprache entwickelt sich auch weiter.

Ostschweizerdialekt und Märchen
Aus dem Osten der Schweiz kamen die Texte von Erwin Messmer, der zwar schon seit vielen Jahren in Bern lebt, aber seine St. Galler Wurzeln niemals vergessen hat und dementsprechend seine Texte auch in dieser Sprache verfasst. Wortspielerisch, spritzig und manchmal recht derb kommen seine Gedichte daher. Sie erzählen von alltäglichen Dingen, die ihn beschäftigen und machen dies auf eine überaus humorvolle Art und Weise, die beim Publikum nur zu gut ankam. Trotz ihrer Kürze liessen die Gedichte von Erwin Messmer die ZuhörerInnen manchmal mit einem Fragezeichen zurück. Ging es jetzt zu schnell – oder war das tatsächlich so hart und derb gemeint?
Zünftig geht es auch in den Geschichten respektive Märchen und Sagen der Märli-Erzählerin Iris Meyer aus Rohr bei Aarau zu und her. Sie entführte das Publikum in eine Welt voller Zwergen und Elfen, in eine unsichtbare Traumwelt, die Erwachsene wie Kinder immer wieder verzaubern mag. In Mundart erzählte sie zwei Geschichten, die ihre Wurzeln nicht in der Schweiz hatten.

Bettina Leemann
31. Juli 2017
Bilder: Bettina Leemann

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