Gesellschaft

Den Verstand nicht ausschalten

Der Murianer Arzt und Kulturbegeisterte Jürg Pilgrim stellt in seinem neuen Buch «Was hilft?» die Frage: Was hilft wirklich, die Medizin oder die Religion?


home pilgrim portraetAls überzeugten Hausarzt, Mitmotivator des kulturellen Lebens von Muri und als fragender und Antworten suchender Mensch kennt man Urs Pilgrim seit vielen Jahren. Es sei aber daran erinnert, dass Urs Pilgrim nicht neu als Autor eines Buches an die Öffentlichkeit tritt. Es sind jetzt rund 26 Jahre her seit der Buchvernissage von Urs Pilgrim's Roman «Martini», in dem er vom wechselhaften Schicksal eines Arztes, dem erfolgreichen Wirken eines Anwalts und dem einsamen Weg eines Vikars erzählt. Sein neues Buch «Was hilft?» ‒ ein Geschenk von Urs Pilgrim an Murikultur zum 50. Geburtstag ‒ ist im Vergleich dazu keine leichte Kost, denn es stellt Vieles infrage, hinterlässt Spuren, wirft Fragen auf und versucht Antworten zu geben.

Im Dienste des Menschen stehen
Er stelle mit seinem Buch zum Thema «Religion und Medizin» nicht den Anspruch auf eine wissenschaftlich fundierte Darstellung der Thematik, hält Urs Pilgrim im Gespräch fest. «Meine Aussagen verstehe ich als Arzt und Christ, denn sowohl Religion wie auch Medizin ist wichtig.» Dem fügte er aber gleich mit Betonung an, dass beide im Dienste des Menschen stehen müssen und nicht umgekehrt. Ein religiöser Glaube kann dem Einzelnen eine geistige Heimat und Werte vermitteln, die zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen. Für einen Arzt muss aber ein ethisch verantwortungsbewusstes Handeln wichtiger sein als der Glaube und Dogmen. Seine unzähligen Gespräche mit seinen PatientInnen über Gott, die Welt, die Krankheit und den Tod während seiner Zeit als Hausarzt hätten ihm deutlich aufgezeigt, dass die vielen dogmatischen Weisheiten nicht ausschlaggebend sein dürfen, eine «Drei- oder Vierfaltigkeit» im Alltag keine Bedeutung hat. Man müsse vielmehr die Frage stellen: «Wie wird das Christentum umgesetzt und kann Frau und Mann darin die Nächstenliebe leben und erfahren.» Urs Pilgrim weist auch darauf hin, dass das Alte Testament eine interessante Dokumentation sei, aber keine Lebensanleitung. Und bei Absolutheit sollte man zurückhaltend sein, denn letztlich ist jede Wahrheit zwiespältig.

Eigene Zufriedenheit ist Qualität
Sein Buch sei nicht aus einem missionarischen Eifer entstanden, betonte Urs Pilgrim, und er habe weder gegen oder für eine

«Meine Aussagen sehe ich als Christ und Arzt.»

Jürg Pilgrim

Konfession oder Religion geschrieben. Es sei seine ärztliche Perspektive auf Religion und Glaube, die früher eng miteinander verbunden gewesen sind. Er erinnert an die Person des Wanderpredigers vor 2000 Jahren, der nichts anderes wollte, als den Menschen auf der medizinischen, gesellschaftlichen und spirituellen Ebene Hilfe anzubieten. Dazu kommt seine enge Verbundenheit zum Kloster Muri, unter anderem als Klosterführer, mit seinen aussagekräftigen und stimmungsvollen Bildern. «Die Bilder im Buch sind Symbolbilder einer Botschaft und die beschriebenen Themen sind weltweit zu verstehen.» Nein, es sei kein Katastrophenbuch, so Urs Pilgrim, sondern es soll einfach andere Perspektiven im Zusammenhang zwischen Religion und Medizin aufzeigen, denn karitative Hilfe für Kranke und Bedrängte liegen ihm näher, als eine theologische Dogmatik.

So sind die humanistischen Prinzipien für ihn von grosser Bedeutung, das heisst andere Menschen sollen ihre Meinung vertreten dürfen, geduldet sein, es darf keine Gewalt geben und jeder soll frei sein, Entscheidungen nach seinem Gewissen zu treffen. Auf diesen Grundlagen soll das menschliche Zusammenleben beruhen. Dazu gehöre aber mehr Bescheidenheit in den eigenen Ansichten, was letztlich der eigenen Zufriedenheit mehr Qualität gibt. Und abschliessend meinte er: «Die Religion sollten wir ein bisschen lockerer und offener angehen, denn letztlich ist sie vom Mensch gemacht.»

Richard Wurz
18. Juni 2020
Bilder: Richard Wurz

Das Buch «Was hilft?» ist im Schweizer Buchhandel, ISBN 978-3-290-20191-3 erhältlich oder bei Muri Info, Muri; Papeterie Huber Muri; Buchhandlung Breitenstein, Wohlen; Christliche Buchhandlung Wägwyser, Wohlen; Furrer's Wundertüte, Bremgarten; Papeterie Wespi, Sins.

 

 

 

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