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Mit Urs Schlittler auf der Reise durch den beruflichen Alltag als Lokomotivführer.
Kafi-Tratsch

Seit 52 Jahren mit dabei

Der Isebähnler Urs Schlittler gab am Kafi-Tratsch einen interessanten Einblick in seinen beruflichen Alltag als Lokomotivführer bei der AVA (Aargauer Verkehr AG).
  • Datum: 22. Januar 2024

In die Wiege sei ihm die Passion zur Eisenbahn nicht gelegt worden, meinte Urs Schlittler im Gespräch, aber schon als Kind habe er mit seinem Vater, der im Bahnhof Bern die Sonntagszeitung holte, Eisenbahnluft geschnuppert, die ihn nicht mehr losgelassen habe. Und als 14-Jähriger habe er im Aufgabenheft zum Thema «Was will ich werden» festgehalten, dass er zur Eisenbahn wolle. An der letzten Klassenzusammenkunft habe er aber feststellen müssen, dass er der Einzige der damaligen Klasse ist, der wirklich das gemacht hat, was er dannzumal aufgeschrieben habe, hielt er mit einem zufriedenen Lächeln fest. Er präzisierte aber gleich, dass er nie Lokomotivführer werden wollte, sondern Stationsvorsteher. So habe er 1972 die Lehre als Stationsvorstand bei der Emmentalbahn angetreten, hielt Urs Schlittler fest. Nach Lehrabschluss habe ihm aber sein damaliger Chef gleich klar gemacht, dass er sich beruflich umsehen müsse, denn bald brauche es keine Stationsvorstände mehr.

«Die Prognose hat sich leider bewahrheitet, denn es ist längst so.» Er habe damals noch ein Weilchen zugewartet, sich aber dann bei der BDB (Bremgarten-Dietikon-Bahn) als Wagenführer beworben und im Dezember 1979 seine Jungfernfahrt von Bremgarten nach Dietikon bestritten … und dabei sei es geblieben. Natürlich mit der Streckenverlängerung nach Wohlen und Fahrdiensteinsätzen bei der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn (WM) und der Wynental- und Suhrentalbahn.

«Es hat gestimmt für mich, wollte nichts anderes, auch wenn es nur von Dietikon bis Wohlen geht»

Urs Schlettlin

Kein Monat gleich wie der andere
Die Tätigkeit des Lokiführers von damals und heute habe sich klar verändert, denn die Verantwortungsbereiche seien zeitgemäss fortlaufend angepasst worden. Er erinnere sich daran, als er als Lokiführer bei den einzelnen Stationen rief «einsteigen bitte», Fahrscheine verkaufte und erst weiterfuhr, wenn alle Fahrgäste im Zug und die Türen geschlossen waren. Und klemmte eine der Türen, dann sei auch der Lokiführer zuständig gewesen. Auf den Fahrplan angesprochen, meinte Urs Schlettlin mit einem Lächeln: «Natürlich hatten wir einen Fahrplan, der aber eine etwas ausgedehntere Interpretation zuliess und ein kundenspezifisches Anhalten möglich war.»

Der Arbeitsplatz selbst sei sehr eng und der Durchzug inbegriffen gewesen. Er betonte aber: «Heute habe wir einen sehr guten Arbeitsplatz, können hinter uns die Tür schliessen und die Verantwortlichkeiten sind bestens strukturiert.» Das Einzige, das gleich geblieben sei wie vor 40 Jahren, seien die täglichen Fahrten Dietikon-Bremgarten-Wohlen, aber sonst sei kein Schottenstein mehr gleich. Allerdings sei ein Lokiführer inzwischen ein halber Jurist, meinte er, denn jede Handlung, die er mache, sei reglementiert, was für ihn aber auch ein grosser Schutz in seiner Arbeit sei.

Zwei Zwischenhalte
Auf seine Ambitionen nach etwas «Höherem» im Bahndienst angesprochen, erzählte er von zwei Begebenheiten. Er habe sich einst versucht als Betriebsassistent. Das habe nicht klappen können, denn jedesmal wenn ein Zug vorbeifuhr, habe er das Büro verlassen wollen und wieder umsteigen, was er nach zwei Jahren auch getan habe. Aber fast abgesprungen von der BDB sei er vor 25 Jahren, denn er stand auch noch als Kontrolleur im Einsatz. «Ich hatte ‹die Nase voll› von dieser widerlichen Arbeit als Kontrolleur und wollte zur Emmentalbahn, heute der BLS zugehörig, wechseln.» Aufgrund von Strukturveränderungen habe er aber wieder seine angestammte Tätigkeit nur als Lokiführer aufnehmen können und sei geblieben. Im November 2025 werde aber Schluss sein damit, denn dann werde ihm aufgrund des Alters, 70 Jahre, die Fahrerlaubnis entzogen.

Kabine
»Geleise weisen
Warten auf etwas.
Leben in vollen Zügen
Fahrplan»
Aus »Elfchen»
von Nelly Stutz

Von der grossen zur kleinen Bahn
So ganz lassen könne er es noch nicht, meinte Urs Schlettlin, und so arbeite er noch seit seiner Pensionierung 50 Prozent bei der AVA. Aber grundsätzlich habe er alles umgekehrt. »Früher ging ich zur AVA zur Abeit und als Hobby in den Keller, um meine Modelleisenbahnanlage zu bauen.

Und heute gehe ich zum Hobby zur AVA und zur Arbeit in den Keller.» Er sei auch nicht der reisende Isebähnler und geniesse das Leben hier in der Schweiz. «Das Schöne ist jetzt, dass ich nicht mehr muss, sondern darf.»

Richard Wurz
22. Januar 2024
Bild: Patrick Honegger

home urs schlettlin portraet

     Illustration: Beatrix Motsch

Der nächste Kafi-Tratsch findet am 24. Februar um 10 Uhr im Foyer des Kellertheaters Bremgarten statt.

 

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