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Im Singisen Forum des Klosters Muri findet keine Werkschau über das Schaffen der Künstlerin Verena A. Schütz statt, sondern die Künstlerin gibt im Kunstfenster Freiamt einen «Ein Blick» in einen Lebensabschnitt.


home verena schuetz sitzEs sei sehr wertvoll, dass es mit dem Kunstfenster Freiamt «Ein Blick» einen Ort gebe, wo die Freiämter Künstler:innen ihr Schaffen der Öffentlichkeit sichtbar machen können, betonte Verena A. Schütz im Gespräch. Nun könne auch sie von diesem Forum profitieren, was bei ihr einen intensiven Prozess ausgelöst habe, erklärte sie. Dabei sei sie vom Gedanken eine Werkschau ihrer genähten Bilder zu präsentieren abgekommen. Das Reden zu den Bildern sei für sie wichtig geworden, um dadurch die mit dem Bild verbundene Geschichte herauszukristallisieren.

In umgekehrter Richtung
Normalerweise nehme sie einfach ein Papier zur Hand und wisse nicht was entstehe, erklärte Verena A. Schütz ihr Vorgehen in der Arbeit. «Ich habe keine mir vorgegebene Idee, sondern nehme das leere Blatt und male einfach.» So beginne stets ein neuer Prozess, der auch über Monate dauern könne, aber letztlich das Bild eine Geschichte des Moments erzähle. «Das alles kann entstehen, weil ich mich auf den Prozess einlasse und das um mich herum auf- und mitnehme in den Ablauf.» Parallel dazu halte sie in Worten fest, was sich sonst so im Leben in ihrem Umfeld draussen und im Privaten ereignet. So bleiben dann am Schluss die festgehaltenen Gedanken und das entstandene Bild ständig in Verbindung, hielt Verena A. Schütz fest.

«Ich mache einen Lebensabschnitt sichtbar und will als Frau etwas dazu sagen.»

Verena A. Schütz

Nun habe sie aber eine Kehrtwendung vollzogen und die Worte, Gedanken und Geschichten mit einem Bild aus ihrem Fundus illustriert. «Das Wort ist der Weg, um gemeinsam mit dem Bild etwas auszusagen, eine Situation aufzuzeigen und ein Gespräch zwischen dem Bild und den Menschen möglich zu machen.» Es sei für sie ein Experiment, das Wort dem Bild voran zu stellen, mit dem Bild zu reden beginnen und hören, was das Bild zu erzählen weiss. Sie habe aber auch ihre Bilder «umgetauft», damit das Bild durch seinen Namen die Bedeutung des Entstehungsprozesses aufzeigt, auf den Urgedanken hinweist und so eine Verbindung zum momentanen Geschehen möglich mache. Als Beispiel sei angefügt, dass das Bild «Calais 1», das während ihrer Erfahrungszeit bei Besuchen der Flüchtlingslager in Calais (F) im Jahr 2016 entstand, jetzt «Haare lassen» heisst. Im Gespräch hinterliess Verena A. Schütz den Eindruck, dass das Bild «Calais 1» eigentlich erst jetzt nach seiner Umbenennung abgeschlossen ist.

Man könne die Bilder einfach sehen und sich selber ein Bild, eine Geschichte machen oder mit ihr oder mit dem Bild das Gespräch aufnehmen, meinte Verena A. Schütz. Sie habe aber auch die Worte, die bestimmend waren für die Wahl des Bildes, zum Nachlesen vor Ort festgehalten.

Richard Wurz
24. Februar 2023
Bilder: Richard Wurz

Die Ausstellung mit Werken von Verena A. Schütz im Kunstfenster Freiamt «Ein Blick» im Singisen Forum des Klosters Muri dauert bis 26. März und ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.murikultur.ch