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Im Rahmen der Ausstellung «Rhonegletscher – quo vadis?» im Museum Caspar Wolf Muri trafen sich der Glaziologe Dr. Andreas Linsbauer und der Künstler George Steinmann unter der Moderation von Kurator Peter Fischer zum Gespräch.


home gletscher diedreiAuf der «Grand Tour Caspar Wolf» befassten sich 20 Kunstschaffende mit dem Bergmaler Caspar Wolf (1735 bis 1783) und setzten sich mit dem, was Caspar Wolf gesehen und in seinen Bildern festgehalten hat und was heute noch geblieben ist, auseinander. Sie machten in ihren Installationen die Veränderungen sichtbar und brachten auf ihre Art Bewegung in die Diskussion der Auswirkungen des Klimawandels. Mit der Wechselausstellung im Museum Caspar Wolf und unter anderem diesem Forum wolle man die notwenigen Vernetzungen zwischen Kunst und Wissenschaft transparenter machen und dazu beitragen, dass die massiven Negativ-Veränderungen in den Bergen im Gespräch bleiben, erklärte Kurator Peter Fischer zu Beginn des aufschlussreichen Forumsgespräch inmitten der Bilder von Caspar Wolf. Das war in sich eine Herausforderung, denn der Glaziologe Dr. Andreas Linsbauer, Gletscherforscher am Geografischen Institut der Universität Zürich und am Departement für Geowissenschaften der Universität Freiburg, erklärte die Ausgangslage aufgrund der wissenschaftlichen Untersuchungen, während der Künstler George Steinmann, der sich seit längster Zeit mit den Klimaveränderungen und den Auswirkungen in den Bergen befasst, die stoffliche Ästhetik einbrachte. Er brachte die beiden Sparten Wissenschaft und Kunst so auf den Punkt: «Die Wissenschaft zeigt die Wahrheit – die Kunst das inbegriffen die Schönheit.»

Die Schweiz ist im Verzug
In seinen Ausführungen hielt Andreas Linsbauer unmissverständlich fest, dass die massiven Veränderungen in der Gletscherwelt alarmierend seien. Die wissenschaftlichen Untersuchungen würden seit Jahren darauf hinweisen, dass aufgrund des Klimawandels respektive die Erwärmung den Gletschern die «Nahrung» wie Schnee immer mehr fehlen und so sich auflösen. Andreas Linsbauer wies darauf hin, dass die Gletscher in der Schweiz zwischen 1931 und 2016 rund die Hälfte ihres Volumens verloren haben und in den vergangenen sechs Jahren sei das Volumen um weitere zwölf Prozente geschrumpft. Aufgrund der wissenschaftlichen Forschungen könne man klar festhalten, dass es im Jahr 2100 ohne Klimaschutz (+5ᵒC) keine Gletscher mehr geben werde. Wenn man diesem massiven Rückgang Einhalt gebieten wolle, brauche es einen starken Klimaschutz mit globalen Anstrengungen (+1-2ᵒC).

Diese wissenschaftlichen Forschungen brauche es und es wurde Präzisionsarbeit in der Forschung geleistet, hielt George Steinmann fest. Er erinnerte aber daran, dass die Wissenschaft schon seit dreissig Jahren Politik und Gesellschaft auf die sich anbahnende Situation aufmerksam mache. Die Schweiz sei aber explizit im Verzug in der Umsetzung der Massnahmen, daher sei es dringend notwendig, dass Politik und Wirtschaft in die Pflicht genommen werde. Die Kunstschaffenden wollen sich nicht einfach einmischen, so George Steinmann, sondern ihren Anteil in die Arbeit der Wissenschaft einbringen und die Politik müsse letztlich den Klimaschutz in Bewegung bringen. Leider stehe eine Art Blockade in den Köpfen der Politiker*innen an, so dass man sehr zurückhaltend sei, Politik-Wissenschaft-Kunst zusammenzuführen, um gemeinsam die Lösungen anzugehen.

In der anschliessenden angeregten Diskussion kam zur Sprache, dass die Situation mitgeprägt sei vom Eigennutz jedes Einzelnen, was in den einzelnen Voten zum Ausdruck kam. Man war sich einig, dass man wirklich etwas bewegen sollte, müsste, könnte, denn so könne es nicht weiter gehen. Das «Wie» und «Wer» blieb noch offen.

Richard Wurz
16. Oktober 2022
Bilder: Richard Wurz