Kultur

«Ein komplett anderes Gefühl»

Nun sind es mehr als zwei Jahre, seit der junge Murianer Musiker Leonardo Bizzotto nach Manchester gezogen ist – und er fühlt sich wohl.


home leonardo bizzotto undIn den vergangenen zwei Jahren war Leonardo Bizzotto immer wieder mal in Muri, sei es für ein Konzert oder für Ferien, aber seinen Alltag verbringt er in Manchester und studiert an der RNCM ‒ Royal Northern College of Music in Manchester – und verfeinert sein Wissen und Können auf seinem Instrument dem Fagott. Auf die Frage wie es sich da so lebt, meinte Leonardo Bizzotto im «digitalen» Gespräch, dass es ein total anderes Gefühl sei in einer Stadt wie Manchester zu leben. Er fasst seine Erfahrung mit folgenden Worten zusammen: «Je länger ich in Manchester bin, desto öfters vermisse ich den fast idyllischen Frieden, den man an einem Sonntag in Muri erleben kann. Hier in Manchester ist immer etwas los.»

Fagott – ein starker Fachbereich
In der öffentlichen Szene in Manchester stehe das Fagott als Instrument nicht gerade im Mittelpunkt,  erklärte er. Die Stadtbevölkerung finde ihre Interessen in anderen Dingen wie zum Beispiel dem Fussball. Aber – wohl gebe es in Manchester zwei der besten Fussballvereine Europas, aber auch eines der bekanntesten Orchester Europas, nämlich das BBC Philharmonic. Der Grund für ihn hier zu studieren sei aber keineswegs der Fussball, sondern der starke Fachbereich Fagott an der RNCM. Dieses wird von Stefano Canuti, Professor für Kammermusik und Senior Tutor Fagott, geleitet. Er ist einer der weltbesten Fagottisten und weltweit anerkannter Lehrer, erklärte Leonardo Bizzotto, und fügte mit Stolz an, mein Hauptlehrer. «In diesem Jahr haben wir mit Andrea Zucco sogar einen jungen super Professor bekommen.» Bis jetzt habe er aber von ihm nur im Online-Unterricht profitieren können, meinte Leonardo Bizzotto, doch es sei jetzt schon sehr inspirierend und er freue sich auf den «richtigen» Unterricht.

Auf die Situation vor und mit Covid-19 angesprochen, meinte Leonardo Bizzotto, dass es jetzt mit dem Online-Unterricht schwieriger sei für Lehrer und Studenten. Aber es sei das einzig mögliche und «wir machen alle das Beste daraus». In den ersten zwei Jahren sei er in der Hochschule eingebunden gewesen. Das bedeutete, am Morgen und Nachmittag Kurse und Unterricht und am Abend blieb er jeweils in der Schule bis gegen 23 Uhr um zu üben. «Das Üben findet nun zu Hause statt, denn an der Schule kann ich gerade für maximal zwei Stunden pro Tag entsprechende Räume buchen.» Hinzu kam aber auch, dass man sich mit Freunden zum Essen und zum Kaffeetrinken traf – und das ist nun alles weggefallen.

Das Beste aus der Situation machen
Neben Studium und Üben gebe es auch Schulprojekte, einige etwas interessanter respektive besser, andere eher weniger. Er selbst habe gerade ein internes Probespiel für ein Orchesterprojekt gewonnen, doch das Livestream-Konzert wurde vom Dezember auf nächsten Frühling verschoben. Zur Aufführung komme die 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827). «Diese zu spielen sei für einen Fagottisten sehr anspruchsvoll», betonte Leonardo Bizzotto. Hinzu komme noch die Arbeit mit dem von ihm gegründeten Quintett, dem «Ensemble Cosmopolitan», mit dem er normalerweise hie und da Auftritte hätte. «Mit dem neuen Lockdown ist momentan leider tote Hosen, aber ich habe ja immer wieder in der Schweiz professionelle Engagements.»

Abgesagt wurde auch der internationale Musikwettbewerb «Prager Frühling» in diesem Jahr. «Diese Absage hat mich doch ziemlich getroffen, weil sie sehr kurzfristig kam und ich mich sehr intensiv für den Wettbewerb vorbereitet habe.» Trotzdem kann der junge Musiker dieser Situation auch einen positiven Aspekt abgewinnen. Er bringt dies so auf den Punkt: «Ich habe mehr Zeit mein Wissen und Können als Musiker zu steigern und wenn noch in absehbarer Zeit mein neues Heckel-Fagott kommt, wird das meine Chancen insgesamt bestimmt verbessern.» Bei diesen Worten wird deutlich, dass Leonardo Bizzotto nicht mit der aktuellen Situation hadert und «verpassten» Chancen nachtrauert, sondern kontinuierlich auf seinem eingeschlagenen Weg zum Profimusiker bleibt und weiter übt und sich nicht unterkriegen lässt.

Richard Wurz
23. November 2020
Bild: zVg

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