Kultur

Das war mehr als Maximal

Ein musikalischer Höhepunkt zu Beginn des Jahres mit dem JSAG und dem Kontrabassisten Edicson Ruiz unter der Leitung von Hugo Bollschweiler in der Alten Kirche Boswil.


home tab isag ruizEs sei eingestanden, dass man jedes Mal mit einer hohen Erwartungshaltung an das Konzert des Jugend-Sinfonieorchesters Aargau (JSAG) unter der Leitung von Hugo Bollschweiler geht. Das haben sich die jungen MusikerInnen aber mit ihren bisherigen Konzerten selber eingebrockt. Es sei aber gleich vorweggenommen, auch am vergangenen Sonntag haben sie die Erwartungen mehr als erfüllt. Es war aber nicht nur die Alte Kirche bis auf den letzten Stuhl besetzt, sondern auch der gesamte Chor ‒ da hätte wohl kaum noch einE MusikerIn Platz gefunden. Michael Schneider, Geschäftsführer Künstlerhaus Boswil, meinte in seinen Begrüssungsworten: «Das ist das grossformatigste Stück, das wir je hatten.» Und Stefanie Braun, Projektleiterin Bildungsprojekt des Künstlerhauses Boswil, fügte an, dass nicht nur der Thementitel «Maximal» zutreffe, sondern dass alle maximal in der Konzertvorbereitung mit dabei waren.

Kontrabass vom Feinsten
Das «Ballett für 50 kleine Elefanten» ‒ Circus Polka: For a Young Elephant ‒ von Igor Strawinsky (1882 bis 1971) war ein herrlicher Dialog zwischen den einzelnen MusikerInnen. Man spürte die Elefanten sich bewegen, leise, beschwingt und energisch. Damit gab das JSAG dem Publikum aber auch gleich zu Beginn zu verstehen, wie es tönt, wenn das grosse Orchester seine Instrumente wirklich aufspielen lässt ‒ die Alte Kirche war wortwörtlich eingebettet in ein einzigartiges und unüberhörbares Klangbild.
Nach diesem fulminanten Einstieg in das Konzert war dann das JSAG ein erstes Mal gefordert, denn Edicson Ruiz liess seinen Kontrabass erklingen zum Concerto for Double Bass and orchestra op. 3 von Sergey Koussevitzky (1874 bis 1951). Es ist schon als ZuhörerIn kein einfaches Unterfangen in diese Komposition einzusteigen und schon gar nicht für das Orchester. Edicson Ruiz versank in seinem Spiel total in die Musik und wie im Hintergrund mischte sich das Orchester ein. Im Laufe der Interpretation liess es aber Edicson Ruiz gekonnt zu, in seine Musikwelt einsteigen zu können und es entstand ein wunderbares Zwiegespräch zwischen ihm und dem Orchester, welches dem Solisten schon fast meisterhaft Paroli bieten konnte. Dadurch öffnete Edicson Ruiz gemeinsam mit dem JSAG die Tür weit, um eine andere Musikwelt aufnehmen und geniessen zu können.

«Bruckner ist jenseits»

Kein geringerer Komponist als Johannes Brahms (1833 bis 1897) sagte dies von Anton Bruckner (1824 bis 1896). Mit der Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur «Romantische» stellte sich Hugo Bollschweiler mit seinen MusikerInnen einer hohen Herausforderung. Und nach mehr als 40 Jahren erklingt sie erstmals wieder im Kanton Aargau.

«Das ist JSAG: Edicson Ruiz spielt bei Bruckner im Orchester mit.»

Stefanie Braun

Zur Überraschung des Publikums integrierte sich Edicson Ruiz als mitspielender Kontrabassist ins Orchester. Einzelne Register speziell hervorzuheben würde dem Ganzen nicht gerecht, denn die jungen MusikerInnen interpretierten Anton Bruckner′s «Romantische» gekonnt und präzis und dies musikalisch auf hohem Niveau.

Zwischentöne
Kontrabassist Edicson Ruiz und das JSAG begeisterten das Publikum mit ihren Interpretationen vollauf. Doch es wäre nicht das JSAG und nicht Boswil, wenn da noch Zwischentöne ihren Platz finden würden. So nahm Edicson Ruiz mit einem Menuett von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) die ZuhörerInnen mit in seine Welt der Musikinterpretation ‒ ein ganz spezieller Einblick in sein musikalisches Schaffen auf höchstem Niveau. Und dann kamen noch die Auswirkungen des JSAG wirkungsvoll zum Tragen. So interpretierte das Orchester eine Komposition von Omar Barone (Violine), Mitglied des JSAG. Das Werk heisst «Ohne Titel», dafür brachte es sehr viel Inhalt mit. Dirigiert wurde es von Jonas Bürgin (Violine), auch Mitglied des JSAG. Mit seinem Werk wolle er die MusikerInnen als auch die ZuhörerInnen zu einer Reise in die eigene innere Bilderwelt inspirieren, meinte Omar Barone zu seiner Komposition. Und das ist ihm Dank der hervorragenden Interpretation durch das JSAG vollauf gelungen.

Richard Wurz
7. Januar 2017
Bilder: Richard Wurz

Das JSAG konzertiert wie folgt: Dienstag, 9. Januar 2018, 19.30 Uhr, Grosser Saal, Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Toni-Areal, Zürich; Freitag, 12. Januar 2018,19.30 Uhr, Kurtheater Baden, Benefizveranstaltung zu Gunsten Pro Juventute Aargau; Sonntag, 14. Januar, 11 Uhr, Kultur & Kongresshaus (KuK) Aarau. Vorverkauf: www.kulturticket.ch und weitere Informationen: www.jsag.net

 

 

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Richard Wurz
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