Kultur

Alles ist letztlich Anfang

Ein Kater, sieben Leben und Philipp Galizia ‒ ein in sich wunderbarer Abend im Kellertheater Bremgarten.


Galizia3Alles sei nur Anfang und das Ende unbestimmt oder vielleicht doch nicht, erkenne man doch das Ende und habe den Anfang verpasst. So verfänglich und doch verständlich begrüsste der Geschichtenerzähler Philipp Galizia sein Publikum zum Auftakt in seinem neuen Stück «Der Kater» und löste eine fast wohltuende Spannung aus, wollte man doch erfahren, was denn nun zwischen dem Anfang und dem Ende ist.

Ein begnadeter Erzähler
Philipp Galizia fühlte sich sehr wohl in seinem Sessel als Kater mit seinen sieben Leben, konnte er doch in der Gewissheit leben, dass kaum ein Leben vorbei ist, das nächste schon ansteht. So erzählte er aus der Sicht des Katers aus der alltäglichen Welt mit ihren Begebenheiten, hielt mit treffenden Worten und Wortspielereien auf die Geschehnisse und gesellschaftlichen Abläufe den Daumen drauf und löste nicht nur befreites Lachen aus, sondern auch ein schon fast erzwungenes Lächeln. Beinahe befreiend waren dann die Momente, als er seinen Bass zur Hand nahm und seine Worte, unterstützt von Musik aus dem Radio, in einen harmonischen Einklang brachte. Er streifte in seinen sieben Leben alles zwischen Glauben, Politik, Erkenntnis über sich und andere und Wissen oder einfach nichts tun. Dabei reihte er die sieben Leben aneinander, wechselte die Themen, platzierte gekonnt Pointen, die sassen, wenn auch da und dort ein bisschen weniger ein bisschen mehr hätte sein können. Philipp Galizia war auch an diesem Abend ein begnadeter Erzähler, wenn auch zwischendurch seine «gutgemeinten Giftpfeile» in seinem Spiel fast verloren gingen, da es irgendwie am einem sich durchziehenden Faden fehlte.

Welcher Kater denn…?
Seine Wortspielereien liessen in einem die Frage aufkommen, ob denn nun die Rede ist von einem Kater mit seinen sieben Leben oder dem Kater, den Mensch immer wieder einmal am Morgen zu erleben hat und dann in Wortspielereien sich mit sich über seine Umwelt respektive sein Umfeld unterhält. Zumindest lassen einzelne Pointen und Wahrheiten von ihm diesen Schluss zu, so ganz nach dem Thema des Abends: Alles ist letztlich ein Anfang und in Unkenntnis des Endes ist es immer wieder ein Anfang. Auf seiner nachdenklich stimmenden Suche nach dem Dazwischen in den sieben Leben des Katers, finden einzelne so zutreffende Texte wie ihren Platz nicht in der Geschichte, zu sehr sind die Übergänge wie gebrochen und verlieren so als Ganzes ihre Tiefe. So bleibt doch der Verdacht, dass es nicht der Kater ist, sondern der Kater am Morgen. Aber vielleicht sind nicht die sieben Leben das Ende, sondern erst der Anfang mit dem Achten.

Richard Wurz
23. September 2018
Bilder: Bettina Leemann

Weitere Informationen unter www.galizia.ch

 

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Richard Wurz
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5620 Bremgarten

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