Kultur

Bücher erzählen Geschichten

Die Geschichte des Klosters Muri soll bis zum Jahr 2027 umfassend erforscht sein. Dann feiert das Kloster sein 1000-jähriges Bestehen.


Vernissage 2018 1Dies tut die Stiftung Geschichte Kloster Muri, indem sie im Jahresrhythmus grössere und kleinere Schriften publiziert. Kürzlich konnten gleich zwei Werke Vernissage feiern. Es ist dies zum einen der zweite Band der Reihe «Murenser Monografie» unter dem Titel «Zeiten der Erinnerung – Muri und die Habsburger im Mittelalter», von Bettina Schöller verfasst. Zum anderen ist es ein schmales Bändchen aus der «Murensia»-Schriftenreihe mit dem Titel «Lesen, schreiben, beten, heilen – Die Bibliothek des mittelalterlichen Klosters Hermetschwil» von Ruth Wiederkehr. Damit sind zwei weitere überaus interessante Schriften publiziert, die sich einmal mehr mit dem Kloster Muri und seiner weit zurückreichenden Geschichte befassen.

Das Totengedenken intensiv beleuchtet
Lobende Worte fand an der Vernissage Abt Beda Szukics für das Buch «Zeiten der Erinnerung». Er machte die Anwesenden darauf aufmerksam, dass sich der Umgang der Menschen mit dem Tod und dem Totengedenken stark verändert habe. Dies auch in seinem Kloster in Muri-Gries. Er wies darauf hin, dass das Totengedenken in der heutigen Zeit kaum mehr eine Bedeutung hat und längst nicht mehr so intensiv praktiziert wird. Dies steht im grossen Gegensatz, zu dem was Bettina Schöller in ihrem Werk erforscht hat. Sie setzt sich in ihrem Werk nämlich intensiv damit auseinander, wie denn Erinnerung geschaffen wurde, und wie die Gesellschaft damit umging, so hielt es die Historikerin Martina Stercken in ihrer Laudatio fest. Chronologisch geht die Autorin rückwärts, sprich sie geht von der Gegenwart in die Vergangenheit und deckt dabei Schritt für Schritt auf, wie die Habsburger im Kloster Muri dafür sorgten, dass man ihrer gedachte; umgekehrt zeigt sie, wie das Kloster Muri mit diesem Gedenken an die Stifterfamilie umging. Dabei zeigt die Autorin auf minutiöse Art und Weise in den einzelnen Kapiteln ihres Werkes, wie die verschiedensten Formen der Erinnerung geprägt waren vom jeweiligen politischen, kulturellen und religiösen Umfeld. Martina Stercken resümierte, das Buch zeige eindrücklich, dass die Stiftung des Klosters Muri als Erinnerung an das Geschlecht der Habsburger sehr langfristig angelegt sei und bis in die Gegenwart andauere. Ganz grundsätzlich vermittle das Werk von Bettina Schöller Grundsätzliches und zeige eindrücklich auf, wie denn Geschichte geschrieben werde.

Büchlein über die «Büechli»
Die zweite an diesem Abend vorgestellte Schrift wurde von Ruth Wiederkehr verfasst. Sie setzte sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit den 56 handschriftlichen Manuskripten aus dem 12. bis 16. Jahrhundert auseinander, welche sich heute wieder im Benediktinerinnenkloster Hermetschwil befinden. Bei diesem mittelalterlichen Buchbestand handelt es sich um einen der grösseren in der Schweiz. Die Hermetschwiler Manuskripte enthalten vor allem deutsche Gebete, was für ihre Entstehungszeit eher ungewöhnlich ist, da damals in der Kirche nach wie vor Latein vorherrschend war. Weiter findet man darin aber auch Segen und Rezepte zur Heilung von bestimmten Krankheiten. Diese meist kleinformatigen Bücher waren stark in Gebrauch, was die Abnutzungs-Erscheinungen beweisen. Die Schrift von Ruth Wiederkehr zeigt unter anderem auf, welche Literatur den Nonnen zur Verfügung stand und über welche Netzwerke Bücher und Texte verbreitet wurden. Ausserdem wird der in Hermetschwil vorhandene Buchbestand vorgestellt. Denjenigen Texten, die auf den ersten Blick nicht in die religiöse Sammlung passen, weil eher mystischer Natur, wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Murensia-Schrift von Ruth Wiederkehr vermittelt auch dank sorgfältigen Farbabbildungen einen überaus interessanten Einblick in einen überaus kompakten mittelalterlichen Manuskriptbestand.

Bettina Leemann
25. Oktober 2018
Bilder: Bettina Leemann

Die beiden Publikationen von Bettina Schöller und Ruth Wiederkehr können beide im Chronos Verlag bezogen werden. Nähere Informationen unter www.geschichte.kloster-muri.ch/publikationen

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