Kultur

«Es lebe Wilhelm Tell»

Eine musikalische Geschichtsstunde in der Alten Kirche Boswil, die es in sich hatte.


home bosw wilhTell erzaehlIm Rahmen der Kinderkonzerte Künstlerhaus Boswil trafen sich das Gémeaux Quartett, die Erzählerin Ilona C. Schulz und rund 40 BesucherInnen, gross und klein, zu einem geschichtlichen Stelldichein. Für die Kinder war es zum Teil Neuland und für die Erwachsenen eine inspirierende Erinnerung, wie es denn damals wirklich war, als man in den Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwalden die Freiheit verlor.

So war es … oder?
Die vier MusikerInnen Arisa Fujita und Francesco Sica (Violine), Sylvia Zucker (Viola) und Matthijs Broersma (Violoncello) eröffneten das Mitmachkonzert mit einer musikalischen Hymne an die so schöne Schweiz ‒ mit der Ouvertüre aus der Oper «Wilhelm Tell» von Gioacchino Rossini (1792 bis 1868) in einer Bearbeitung von Andrew Hannan (*1959). Erzählerin Ilona C. Schulz fand danach gleich den Dialog mit den Kindern und nahm sie gefangen mit ihrer begeisternden Erzählkunst. Mit einem Schmunzeln, aber trotzdem sehr ernsthaft und überzeugend, rief sie die Erkennungsmelodien der drei Urkantone in Erinnerung. So sollen die Unterwaldner «Nachem Räge schiint d'Sunne …», die Schwyzer «Es Burebüebli mani net …» und die Urner «Ja, grüezi wohl, Frau Stirnima …» gesungen haben und man wusste, woher sie kamen. Das Mitmachen war gegeben und die kleinen und grossen BesucherInnen sangen bei musikalischer Begleitung mit Inbrunst die Lieder, als ob sie sich erinnern vermochten, wie es denn hätte sein können.

Dadurch entstand in der Alten Kirche eine verschworene Gemeinschaft, die sich voll von der Erzählerin ein vernehmen liess und bei den musikalischen Zwischentönen fast nicht mehr ruhig sitzen bleiben konnt. Ilona C. Schulz führte ihre Gäste durch die Geschichte, vom Entschluss die Freiheit zu bewahren, dem Rütlischwur, dem Apfelschuss und Flucht von Wilhelm Tell bis zum legendären Schuss der Freiheit, dem Tellschuss auf Gessler. Die Geschichte selbst kannte man ja und Ilona C. Schulz verstand es sie glaubwürdig zu erzählen, die MusikerInnen liessen Wort und Musik gekonnt ineinander fliessen, und das Publikum war mitten drin. Die BesucherInnen machten nicht nur mit, sondern übernahmen die Verantwortung für die Geräusche, so dass der Wind zu spüren, die Schritte und der Donner kraftvoll zu hören waren. Und der Ruf des Publikums «Es lebe Wilhelm Tell» hallte unüberhörbar durch die Alte Kirche.

Das Mitmachkonzert «Wilhelm Tell» war ein Beweis wie eindrücklich und wirkungsvoll ein Konzert, an dem Wort und Musik und Publikum sich zum gemeinsamen Mitwirken finden können, ein nachhaltig wirkendes Musikerlebnis sein kann ‒ Kinderkonzerte Künstlerhaus Boswil haben es wieder einmal möglich gemacht.

Richard Wurz
23. Juni 2019
Bilder: Richard Wurz

 

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