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Der Tod und die Frau

Als die junge Frau ihren Garten bestellte, kam der Tod vorbei und sagte,


Bänkli 1sie solle sich bitte beeilen, der Frühling sei schon da, und wenn sie nicht bald aussäe, würde sie im Winter vor Hungers sterben. Die junge Frau bedachte die Worte des Todes, stach den Boden um, setzte Kartoffeln, pflanzte Rüben, band die Büsche hoch und füllte den Brunnen. Im Sommer kam der Tod wieder und machte die junge Frau darauf aufmerksam, dass sie jäten solle, sonst würde das Unkraut so überhand nehmen, dass es Im Herbst nur eine magere Ernte gebe.
Die Frau riss das Unkraut aus und freute sich an ihren Blumen und am Salat, am keimenden Gemüse und an den Kartoffeln, die tüchtig ins Kraut schossen. Im Herbst kam der Tod und erbat sich Johannisbeeren. Weil sie noch zu sauer waren sagte er der Frau, sie solle die Beeren einmachen, sobald sie so richtig reif wären.
Die Frau lächelte und füllte saure Gurken ein, machte Rhabarberkonfitüre und Johannisbeerengelee, erntete die Kartoffeln und las die Nüsse zusammen, sie brachte den Kohl ein und grub Karotten aus. Im Winter kam der Tod und sagte ihre Zeit sei gekommen.
Die Frau, die inzwischen alt und weise geworden ist, gab dem Tod einen Löffel Johannisbeerengelee. Dann setzten sich die beiden auf die Bank im Garten, assen ein paar getrocknete Pflaumen und sprachen von dem und diesem. Vorbeigehenden hätte es vorkommen können, als wären sie schon lange ein Paar.

freiamtplus
16. September 2017

Bilder: Bettina Leemann
Die Geschichte ist geschrieben vom Liederer, Geschichtenerzähler, Autor und Musiker Linard Bardill. Weitere Informationen: www.bardill.ch

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