Kultur

Ein Blick in die eigene Schublade

Mit ihren sechs Installationen geht die Künstlerin Beatrix Motsch im Augraben in Bremgarten dem Thema Vorurteile nach und regt zum Nachdenken an.


home beatrix maskeAngedacht war im Rahmen des Kunstmonats ArtWalk in Bremgarten auf dem Vorplatz des Ateliers Reussgasse von Karin Köpfli-Fehlmann zu modellieren und die Besucher*innen einzuladen, es selber zu versuchen, erklärte Beatrix Motsch im Gespräch. Die Nähe des Hexenturms habe aber Impulse ausgelöst und so sei sie seiner Geschichte nachgegangen und auf die tatsächlich im Zusammenhang mit dem Hexenturm zu Bremgarten auf die geschehenen Hexenverfolgungen in Bremgarten gestossen. «Als ich das gelesen hatte, war ich geschockt.» Sie sei überzeugt, dass der damalige Umgang mit diesen hilf- und machtlosen Frauen auf Vorurteilen basierte und unter anderem Vorurteile gegenüber ihrem Aussehen, Tun und Lassen zu den Hexenverfolgungen führten. Sie habe sich aber von der Hexenverfolgung losgelöst und sei zu ihrem Thema Vorurteile gekommen, hielt Betrix Motsch fest, habe aber das Ganze vom 17. Jahrhundert in die heutige Zeit transferiert. «Die Hexenverfolgungen sind Geschichte, aber viele Vorurteile gibt es auch heute immer noch.»

Vorurteil – Verurteilen – Urteil
Man hat etwas gesehen, gehört oder aufgeschnappt über eine bestimmte Gruppe oder wie sich dieser oder jene kleidet oder benimmt, erzählt es weiter und schon ist die Basis von Vorurteilen gelegt. Dazu komme, dass man mit Vorurteilen aufwächst, sie als «Wahrheit» behält, anstatt sich

«Ich habe versucht Spuren zu legen.»

Beatrix Motsch

damit auseinander zu setzen und abzubauen, so Beatrix Motsch. So würden sich die Lebensgewohnheiten im Laufe der Zeit wohl ändern, aber Vorurteile bleiben oder entstehen immer wieder, ausser man achte auf sie. Sie wolle auf dieser Reise durch die Welt der Vorurteile mit ihren Installationen auf einzelne Punkte eingehen, aber nicht nur einfach etwas ausstellen, sondern ihre Gedanken weitergeben und anregen, darüber nachzudenken. Nachgefragt, ob sie ein Rezeptbuch verfasst habe, meinte Beatrix Motsch: «Nein, ich fordere Offenheit, Neugierde und Interesse und stelle die Frage, ob man die Vorurteile stehen lassen will oder den Hintergrund erkennen.»

In der sechsten Installationen hängen Schubladen herum und sind mit Spiegeln und Stichwörtern versehen. Man könne hineinsehen und überlegen, was man den wirklich sehen will, meinte sie, aber auch herausfinden, in welche Schublade man gehört. «Man kann sich sehen oder sich in einer Schublade versorgen.» In Bezug auf die Zeit der Hexenverfolgung meinte sie, dass es sich eigentlich nichts geändert habe, nur die Art und Weise. Sie hielt aber auch klar fest: «Ich habe die Installationen nicht gemacht, um jemanden glücklich zu machen, sondern versucht Spuren zu legen, damit darüber nachgedacht und auch gehandelt wird.»

Richard Wurz
16. September 2022
Bilder: Richard Wurz

Die Installationen von Beatrix Motsch befinden sich im Augraben – ArtWalk Nr. 26 –, gegenüber dem Hexenturm. Am Samstag, 24. September wird Beatrix Motsch von 13 bis 17 Uhr beim Atelier Reussgasse von Karin Köpfli-Fehlmann – ArtWalk Nr. 24 – modellieren. Weitere Informationen unter www.shapeandcolor.ch/

Informationen über den Kunstmonat September Bremgarten von ArtWalk unter www.artwalk-bremgarten.ch

Adresse

freiamtplus.ch
Richard Wurz
Sternengasse 16
5620 Bremgarten

Kontakt

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Impressum

Impressum

Facebook