Kultur

Die Faszination einer weissen Nacht

Ein Eintauchen in alle möglichen Emotionen, welche eine Mittsommernacht im hohen Norden mit sich bringen kann, konnte man kürzlich gemeinsam mit dem Vokalensemble Cantemus unter der Leitung von Judith Flury erleben.


cantemus 2Einer äusserst komplexen und in unseren Breitengraden selten gehörten Chorliteratur widmete sich das Vokalensemble Cantemus unter der Leitung von Judith Flury. Rein vom Zeitpunkt etwas zu früh, aber von der Stimmung her einmalig, durfte man ein musikalisches Mittsommerfest erleben. Dabei viel einmal mehr auf, wie homogen und ausgeglichen das kleine Vokalensemble ist. Reine, glasklare Stimmen erzeugten in der katholischen Kirche Wildegg einen Chorklang, der einem wohlige Schauern über den Rücken fliessen liess. Scheinbar einfache Melodien, pure Lebensfreude, Verzweiflung und tiefer Schmerz, alle möglichen Emotionen waren in den wunderbaren Liedern der stimmungsvollen Chormusik aus dem Norden verpackt.

Doch zu hören waren nicht nur Vertreter der skandinavischen Chorliteratur, sondern auch die Kompositionen der bekannten romantischen Komponisten, wie Edvard Grieg (1843 bis 1907) und Jean Sibelius (1865 bis 1957). Als optimale und wunderbare Ergänzung zu der vokalen Chormusik liessen Christina Gallati (Violine) und Sabine Diergarten (Violoncello) das Streichduo des estnischen Komponisten Pēteris Vasks (*1946) erklingen. Die sehr meditative und unheimlich berührende Komposition passte perfekt in den wunderbaren Klangraum der Kirche und erzeugte eine wunderbare und unnachahmliche Stimmung, die von den wunderbar weissen Nächten erzählte.

Chorklang in Perfektion
Hauptakteur an diesem Abend war aber natürlich das Vokalensemble Cantemus unter der Leitung von Judith Flury. Dabei bewies der a cappella Chor, dass er nicht nur vereint mit allen Stimmen ganz wunderbar klingt, sondern auch als reiner Männer- oder Frauenchor trotz der kleinen Besetzung überzeugen kann. Die stimmungsvollen Klangbilder, welche die SängerInnen erzeugten, liessen das Publikum entgleiten in die nordischen Nächte und man bekam wenigstens ansatzweise einen kleinen Eindruck von diesem magischen Moment, wenn die Sonne im Sommer des hohen Nordens niemals untergeht und der Sommer praktisch ewig zu dauern scheint. Obwohl im Publikum wohl kaum jemand die Texte in den nordischen Originalsprachen gesungen verstand, gelang es dem Ensemble vorzüglich, die verschiedenen Stimmungen rein klanglich umzusetzen und auf das Publikum überspringen zu lassen.

So freute man sich mit dem frisch verliebten Paar gleichermassen, wie man sehnsuchtsvoll am Ufer stand und einer verflossenen Liebe nachtrauerte oder dem nahenden Tod in die Augen blickte. In den nordischen Kompositionen rund um das Thema der Mittsommernacht findet man alle diese Themen musikalisch wunderbar verpackt und wenn sie dann noch so berührend von einem Vokalensemble präsentiert werden, dann fühlt man sich wahrhaft mitten in einer wunderbar lauen und magischen Mittsommernacht.

Bettina Leemann
20. Mai 2019
Bilder: Bettina Leemann

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