Kultur

«Sie lassen sich nicht unterkriegen»

Das Young Composers Project (YCP) des Künstlerhauses Boswil ist in Bewegung – ein Gespräch mit Bettina Skrzypczak vom Leitungsteam.


home ycp Bettina SkrzypczakDie ersten vier von sechs Modulen sind für die elf JungkomponistInnen bereits Geschichte, aber eine sehr intensive, wie man als stiller Teilnehmer an den Seminaren via Zoom feststellen kann. Im März sei man von der Situation überrascht worden, erinnert sich Bettina Skrzypczak im Gespräch, habe aber das Team nach Lösungen gesucht und diese gefunden. «Vor diesem Hintergrund ist es uns gelungen das Optimum zu erreichen», findet sie, «und in Anbetracht der Situation der Pandemie bin ich mit dem Verlauf der YCP-Seminare zufrieden.» Natürlich fehlt der direkte Kontakt untereinander wie zum Beispiel die langen Abenddiskussionen, bei denen man das Erlebte reflektieren kann. Ins Gewicht falle aber auch die Unzulänglichkeit in der Qualität der Klänge von zeitgenössischen Komponisten oder der Spieltechniken in der neuen Musik aufgrund der Computerübertragung. «Dabei sind es gerade die Feinheiten im klanglichen Bereich, die in der Neuen Musik enorm viel ausmachen», betont Bettina Skrzypczak.

Die Musik ist eine Sprache
Ohne das nötige Handwerk erlernt zu haben sei eine künstlerische Aussage unabhängig der Sparte (Klassik, Film, Jazz) nicht möglich, hält Bettina Skrzypczak fest. Daher ist das Allerwichtigste, dass die am Komponieren interessierten Menschen mit Personen in Kontakt treten, von denen sie professionell betreut werden – genau das finde im Young Composers Projekt (YCP) statt. Zum Handwerk gehöre unter anderem Instrumentenkunde, Harmonielehre, Instrumentation und Notation. Hingegen sei es nicht zwingend, dass man das Instrument, für das man komponiere, auch spielen könne, aber die Grundkenntnisse müssten vorhanden sein.

«Komponieren ist mehr als nur Töne zusammensetzen, denn Musik ist eine Sprache, eine Kommunikations-
weise, die unersetzbar ist.»

Bettina Skrzypczak

Auf die Frage welchen Einfluss die neuen technischen Hilfsmittel auf das Komponieren haben, meinte sie, dass dies Realität geworden ist und das sei auch gut so. Man sollte aber nicht vergessen, dass das nur Hilfsmittel seien und die eigene Fantasiekraft nicht ersetzen könnten. «Das am Meisten zu beobachtende Phänomen ist das Kombinieren von bestehenden Elementen zu einem Stück mit dem Resultat, dass eine Ästhetik entsteht, in der das Eigene nicht mehr zu finden ist.» Sie fügt aber gleich an, dass dies nicht nur jungen KomponistInnen passiere, sondern sie sehe das als Trend, der auch bei manchen Profis sichtbar ist. Bettina Skrzypczak bringt es so auf den Punkt: «Komponieren ist mehr als nur Töne zusammensetzen, denn Musik ist eine Sprache, eine Kommunikationsweise, die unersetzbar ist.»

Die künstlerische Freiheit bleibt stabil
Auf die Anmerkung, dass es die AbsolventInnenn der Musikhochschule heute nicht immer leicht haben, meint Bettina Skrzypczak, dass dies sicher bis zu einem gewissen Grad zutreffe. Das liege aber am gesellschaftlichen Gesamtkonzept des Lebens, in dem das Materielle mehr als das Immaterielle zähle. Gerade aber die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie fragil die Ordnung der äusseren, materiellen Welt sein kann. «Anders verhält es sich mit der inneren, künstlerischen Freiheit», betont sie, «denn die entsteht durch die eigene Kreativität und Fantasie und so bleibt sie auch stabil.» Deswegen brauche es auch junge begabte Menschen, die von dieser Welt angetan sind – und diese brauchen eine respektvolle Behandlung im späteren beruflichen Leben, auch im finanziellen Bereich.

Das YCP mache deutlich, wie wichtig es ist, dass junge Menschen gefördert und gefordert werden, die sich auch in der jetzt ungewöhnlichen Situation nicht unterkriegen lassen. «Ich finde die Young Composers in den meisten Fällen bewundernswert gut, denn sie entwickeln interessante Ideen und arbeiten regelmässig.» Bettina Skrzypczak hofft, dass manche von ihnen Feuer gefangen haben und das in diesem Seminar Begonnene fortsetzen werden. Sie erinnert daran, dass aus der Reihe des YCP junge KünstlerInnen hervorgegangen sind, die in der aktuellen Kunstwelt präsent sind. So hat zum Beispiel die ehemalige YCP-Teilnehmerin Verena Weinmann dieses Jahr eine Auszeichnung am etablierten Kompositionswettbewerb «Rychenberg Competition» erhalten.

Richard Wurz
14. Juni 2020
Bilder: Redaktion

Weitere Informationen unter www.kuenstlerhausboswil.ch/kurse/young-composers/

 

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