Und das noch

1. Adventssonntag

Die Zeitepoche der Vorschriften hat auch ihr Gutes – das «Ellebögle» bekam eine neue Bedeutung.


home advent ellenbogen1«Corona» hat mit seinem «Virus» nicht nur die Welt der Medizin und Gesundheitsversorgung auf den Kopf gestellt, sondern die Gesellschaft als Ganzes durcheinander gebracht, in Gruppen gespalten. Die Weihnachtsmärkte sind abgesagt, doch die Weihnachtsbeleuchtungen erhellen den Alltag und die Läden sind vorbereitet auf den erhofften Ansturm. Die Adventszeit beginnt und man ist bei allen Widerwertigkeiten des Alltags versucht gute Miene zum bösen Spiel zu machen und sich auf Weihnachten vorzubereiten, wenn auch im kleinen Rahmen. Ja, es wird nie mehr so sein wie es war, dafür aber anders, wenn alle dazu beitragen.

In dieser Phase von anderen Begrüssungszeremonien und –arten fiel mir immer mehr auf, dass man sich mit dem Ellenbogen begrüsste und erst noch dazu lächelte. Das irritierte mich ein wenig, denn die Ellenbogen haben doch in sich eigentlich eine andere Geschichte. Wenn irgendwo eine grosse Ansammlung von Leuten ein Durchkommen fast unmöglich machte, nahm man die Ellenbogen, stärkte sie und bannte sich so einen Weg durch das «Gschtunk». Die Ellenbogen verschafften Raum, man kam vorwärts und erreichte das Ziel. Dies blieb aber nicht beim «Gschtunk», sondern verbreitete sich als Hilfsmittel für das Vorwärtskommen in allen Bereichen der Gesellschaft und Wirtschaft. Ein Weiterkommen, ja ein Überleben scheint nur möglich zu sein, wenn man die Ellenbogen gezielt und effizient einsetzt. Es kann zwar ein bisschen einsam machen, aber man hat, in dem man den anderen rücksichtslos auf die Seite «ellebögelt» den Weg frei vor sich und die unnötigen Gedanken über Solidarität und Respekt anderen Menschen gegenüber kann man sich schenken.

Es ist kaum anzunehmen, dass der Bundesrat daran gedacht hat, als er in seinen Vorschriften den Händedruck untersagte und den Ellenbogen zur Begrüssung empfahl. Damit hat er aber die Ellenbogen, wenigstens im Zusammenhang mit der Pandemie, von ihren negativen Charaktereigenschaften befreit. Anstatt diese zu nutzen den Anderen wegzustossen, lässt der Ellenbogen so Nähe zu – und dieses «Ellebögle» kostet nichts, sondern ist vielmehr eine Bereicherung.

Richard Wurz
29. November 2020
Bilder: Richard Wurz

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