Auf dem Weg von Althäusern gegen Hermetschwil begegnete man in früheren Zeiten einem kleinen, grüngekleideten Mändli, das unermüdlich und mit grossem Eifer versuchte mit einem eisernen Spaten den trockenen Ackerboden umzugraben. Als ein etwas wandermüder Bremgarter auf seinem Heimweg dem kleinen Mändli begegnete, kam dieses an den Wegrand und begann unaufhörlich zu niessen, um den trockenen Boden zu wässern. Der Stadtbürger von Bremgarten war aber langsam ein bisschen irritiert, denn schon siebenmal wünschte er dem Kleinen ein herzhaftes «Helf-Dir-Gott!». Als aber das Grabmändli erneut niesste, wurde der nächtliche Wanderer ungeduldig und fluchte voll Wut auf den ständig niessenden Gefährten mit einem urechten Bremgarter Fluchwort. Das grüne Mändli jammerte mit einem herzzerbrechenden Aufschrei: «Beim achten ‹Helf-Dir-Gott!› hättest Du mich für immer erlöst!»
So musste der arme Gsell im Moorental weiter auf eine barmherzige Seele warten. Ein solch mitfühlender Wanderer kam später doch noch und seither hört man nie mehr etwas vom niessenden Grabmändli im Moorental bei Hermetschwil.
Richard Wurz
4. Oktober 2026
Bild: Redaktion - Illustration: Christina Blatter (1947 bis 2020)