
Die Musik ist nur ein Teil
In einer musikalischen Familie aufgewachsen und geprägt gehören das Klavier und das Cello zu seinen Instrumenten. Mit der Aufnahme in das Jugendorchester Konstanz als Cellist habe er damals als 14-Jähriger ein für ihn wichtiges Ziel erreicht. Das gemeinsame Gestalten und Zusammenspiel haben ihn total reingezogen – ein kleines Teilchen des Ganzen zu sein. Und bereits mit 15 Jahren habe er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Dirigent gehabt. Das Lehrerseminar habe er gemacht, weil man etwas macht – aber bis zum Schluss, wie seine Mutter zu sagen pflegte. Aber nach zwei Wochen Lehrer-Stellvertretung sei klar geworden, dass er nie Lehrer werde. Das wäre für ihn als Primarlehrer zuviel Verantwortung gewesen, hielt Tobias Engeli fest. «Man formt die Kinder auf ihr Leben hin – ich ziehe den Hut vor ihrer Arbeit.»
Tobias Engeli entschied sich für die Musik und nahm in Hamburg das Musikstudium auf. Es sei ihm aber sehr schnell langweilig geworden und er habe jegliche Motivation verloren. Da sei er auf das Studium Dirigieren gestossen und die Aufnahmeprüfung bestanden. «Das war der Klick … das ist es, viel umfassender als nur Cello spielen», erklärte Tobias Engeli. Eine Geschichte auf einer Bühne eingebettet in Musik zu erzählen ergebe letztlich etwas Gesamthaftes – ein Musiktheater, etwas tief Menschliches.
Tobias Engeli
Seine Aufgabe als Dirigent sehe er überhaupt nicht Befehle zu erteilen, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, damit alle Mitwirkenden Lust bekommen die Geschichte optimal zu präsentieren. Dabei sei es aber wichtig, dass man auch den 6. Geiger in den hinteren Reihen mit einbezieht. «Zuerst muss man alle abholen und dann erst Inputs weitergeben, was anders sein sollte.» Er könne als Motivator und Animator sicher vieles auslösen, müsse aber berücksichtigen, dass alle auch ihren Alltag mit ins Orchester bringen. Nach seinem Befinden gefragt, meinte er, dass er einen Schutzschild brauche, denn man gebe sich voll ein und werde empfindlicher. «Es ist aber klar meine Aufgabe motiviert meinen Platz als Dirigent mit Lust und Leidenschaft wahrzunehmen.»
Natürlich würde er gerne mal den Platz des Cellisten oder Cellistin einnehmen, aber nicht, weil er es einfach besser könne, sondern aus Lust am Spiel in der Gemeinschaft. Der Dirigent Tobias Engeli wirkt als Kapellmeister an der musikalischen Komödie und Oper Leipzig und als Gastdirigent an verschiedenen Häusern. So jetzt an der Operettenbühne Bremgarten als musikalischer Leiter der Operette «Die Zirkusprinzessin». Er möchte selber mehr Musiktheater machen können, aber vieles scheitere an den Finanzen und er sei noch nicht in der obersten Liga. Für Tobias Engeli ist Leipzig eine wunderbare Kulturstadt, wo die Musik Platz zum sich entfalten habe. Angesprochen auf die politische Situation, meinte er, dass der Konflikt sehr stark sei und es Auseinandersetzungen gebe und die Kunst sei vielfach mitbetroffen. Er habe aber Mühe mit den nationalstolzen Liedern und es sei nicht sei tun, sich mit politisch extremen Statements in das Geschehen einzumischen.
Tobias Engeli möchte mit seiner Arbeit noch viel dazu beitragen, dass sich auch die jungen Menschen von der Musik begeistern lassen. Für sich selber wünsche er sich, dass er immer im entscheidenden Moment verstehe werde … loszulassen.
Richard Wurz
31. März 2025
Bilder: Patrick Honegger
Der nächste Kafi-Tratsch findet am Samstag, 3. Mai, um 10 Uhr im Foyer des Kellertheaters Bremgarten statt. Weitere Informationen unter www.freiamtplus.ch
Die Operette «Die Prinzessin wird bis 24. Mai im Casino Bremgarten aufgeführt. Weitere Informationen unter zirkusprinzessin.ch/